Für eine Gemeinsame Zukunft


Institut In den Medien Das Bild des Islam in den Medien
Das Bild des Islam in den Medien
Montag, den 04. Juni 2007 um 00:00 Uhr

Auch nach dem 11. September 2001 kein prominentes Thema Das Themenfeld «Islam und Muslime» hat auch in der Schweiz an Medienresonanz gewonnen. Doch fehlt die alltägliche Dimension, wie an einer Tagung in Zürich festgestellt wurde.

vö. Die Schweizer Medien orientieren sich bei der Thematisierung des Islam grundsätzlich an den typischen Mustern der Routine-Berichterstattung: Sie konzentrieren sich auf aktuelle Ereignisse. Im Gefolge von Krieg und Terrorismus prägen denn auch Konflikte und Schuldzuweisungen die Islam-Berichterstattung. Diese hat sich seit dem 11. September 2001 deutlich intensiviert. Trotzdem ist das Thema «Islam und Muslime» nach wie vor kein prominenter Stoff der Medien und wird mit 40 Prozent von der Auslandberichterstattung dominiert. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Instituts für Publizistikwissenschaft der Universität Zürich, das sich im Rahmen des Nationalforschungsprogramms (NFP) 52 mit dem Problembereich «Medien und Migration» befasst. Publizistikprofessor Heinz Bonfadelli präsentierte die Teilstudie an einer Tagung zum Thema «Islam und Muslime im öffentlichen Diskurs». Die Tagung im Publizistik-Institut bildete den
Auftakt der Plattform für interkulturelle Kompetenz und Medienpraxis, die das Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog initiiert hat. Hinter diesem Verein steht eine Gruppe von jungen Muslimen, die in der Schweiz aufgewachsen sind und mit Aufklärungsarbeit gegenseitige Vorurteile abbauen wollen. Wie Bonfadelli am Samstag ausführte, sind zwischen 1998 und 2005 NZZ, «Tages-Anzeiger» und «Blick» untersucht worden. Analysiert wurden der Umfang der Islam-Berichterstattung, die Dominanz bestimmter Themen und Akteure, aber auch die Bewertung. Dabei ergaben sich deutliche Unterschiede zwischen den drei Tageszeitungen. Am intensivsten berichtet die NZZ, in der Boulevardzeitung «Blick» ist das Thema kaum präsent. 45 Prozent aller untersuchten Artikel sind gemäss Studie in der Wertung neutral, 12 Prozent positiv, 22 Prozent negativ und 21 Prozent negativ-neutral. In rund jedem zweiten Artikel finden sich Lösungsvorschläge. Mit 38 Prozent dominieren Hinweise auf eine Kooperation des Westens, wie etwa die Förderung der Integration der Muslime. In 12 Prozent der Artikel wird dem Westen Konfrontation empfohlen, und in 33 Prozent der Beiträge wird betont, dass sich Muslime im Westen anpassen oder muslimische Länder sich modernisieren müssen. Im Medienvergleich finden sich im «Blick» die meisten Aufforderungen zur Konfrontation mit dem Islam und der muslimischen Bevölkerung. Der Anlass zur Berichterstattung ist nicht häufiger Krieg und Terrorismus, die Religion wird aber noch stärker als zentrales Problem herausgestellt als in den anderen Medien. Laut Bonfadelli basiert nur jeder fünfte Artikel auf Eigenrecherche. Wegen des auch ökonomisch bedingten reaktiven Zugangs zum Thema fehlten die alltägliche Dimension und damit zusammenhängend positive Meldungen, zum Beispiel über gelungene Integrationsleistungen.
Dieses Defizit bildete den eigentlichen Dreh- und Angelpunkt der Tagung. Nicht nur
Kommunikationstheoretiker, auch Medienpraktiker plädierten für eine Entpolitisierung des Themas und für einen differenzierten und lebensnahen Zugang zur Bevölkerungsgruppe mit islamischem
Migrationshintergrund. Dabei sollte der Schwerpunkt auf Vielfalt statt auf stereotyper Einengung liegen, hiess es. Uneinig war man sich, ob und wie weit der Sensibilisierungsprozess bei den Medienschaffenden vorangekommen ist. Angeregt wurden ein Journalismuspreis für eine besonders gelungene Berichterstattung aus dem Alltag, der vermehrte Einbezug von Journalisten mit Migrationshintergrund in den Medienhäusern oder ein journalistisches Ausbildungsmodul «Interkulturelle Kompetenz».

 

Annerkennung

"Toleranz, sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein; sie muss zur Anerkennung führen: Dulden heisst beleidigen."

J. W. Goethe

 

Minderheiten

"Jede Zivilisation ist daran zu messen, wie sie mit ihren Minderheiten umgeht."

Mahatma Gandhi 

 

Verlernt

"Wir haben gelernt wie die Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen; doch wir haben die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu Leben"

M.L.King 

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