Für eine Gemeinsame Zukunft


Institut In den Medien Interkulturelle Beziehungsarbeit
Interkulturelle Beziehungsarbeit
Montag, den 27. Juni 2005 um 00:00 Uhr

Interkulturelle Beziehungsarbeit
Eröffnung des Instituts für Zusammenarbeit und Dialog

Eine Gruppe von Muslimen, die in der Schweiz aufgewachsen sind, hat das Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog in Zürich gegründet. Im Beisein von Vertretern der christlichen, jüdischen und muslimischen Religionsgemeinschaften wird es heute offiziell eröffnet. Laut Präsident Cebrail Terlemez will das Dialog-Institut mit seinen Aktivitäten breite Bevölkerungskreise in der ganzen Schweiz ansprechen.


 
vö. Er ist der geborene «Networker». Dolmetscher und Germanistikstudent Cebrail Terlemez scheut sich nicht, Kontakt mit den Schlüsselfiguren von Wissenschaft und Kirche aufzunehmen, um sie für seine Sache - den interkulturellen Austausch - zu gewinnen. Und er hat Erfolg. An der heutigen Eröffnung des von ihm initiierten Instituts für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog in Zürich werden unter anderen Weihbischof Paul Vollmar, Kirchenratspräsident Ruedi Reich, Harry Berg, Präsident der Israelitischen Cultusgemeinde, und Ismail Amin, Präsident der Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich, das Wort ergreifen. Bei der Organisation des interreligiösen Symposiums, das kürzlich in Zürich stattgefunden hat (NZZ 14. 6. 05), wurde er vom orientalischen Seminar der Universität und vom Zürcher Lehrhaus unterstützt. Es kamen hochkarätige Referenten wie Hans Ucko vom Weltkirchenrat. Dank dem guten Kontakt stellt sich Ucko nun als Beirat des als Verein organisierten Instituts zur Verfügung.
Obwohl es seine Begabung trifft, behagt ihm das Wort Networker nicht. Lieber bezeichnet sich der 29-jährige türkischstämmige Schweizer als Brückenbauer. Diese Funktion kennt er auch als Kulturvermittler, der in Spitälern, an Gerichten oder im Bildungswesen Übersetzungsdienste leistet. Dort hat er gelernt, dass soziale Gräben oft schwieriger zu überbrücken sind als kulturelle. «Je besser die Ausbildung ist und je differenzierter die Welt wahrgenommen und ausgedrückt werden kann, um so besser können die gegenseitigen Barrieren abgebaut werden», hält er fest.
Als er vierjährig war, zogen Cebrails Eltern mit ihm und seinen drei älteren Schwestern von der Türkei nach Weinfelden, wo der Vater als Brenner in einer Ziegelei arbeitete. Cebrail und seine Schwestern waren die einzigen Muslime im Schulhaus. In religiösen Belangen seien sie recht frei erzogen worden und von der Kleidung her nicht aufgefallen. Trotzdem sei er von rechtsextremen Jugendlichen mit verbalen Attacken wie «ein guter Türke ist ein toter Türke» konfrontiert worden. Wie Terlemez aber festhält, hat er durchaus auch positive Signale empfangen. Dass er nach der obligatorischen Schulzeit nach Ankara ging, hatte denn auch nicht mit Integrationsschwierigkeiten zu tun: «Ich wollte die türkische Kultur kennen lernen.» In Ankara besuchte er ein Internat mit deutscher Unterrichtssprache und machte die Matura. Danach begann er in Freiburg Wirtschaft zu studieren, später nahm er in Zürich das Germanistikstudium auf. Von Anfang an organisierte er an der Universität interkulturelle Projekte und begann so, ein Kontaktnetz aufzubauen, das ihm heute zugute kommt.
Mit anderen türkischstämmigen Muslimen entwickelte er die Idee des Dialog-Instituts. Dieses soll gemäss Leitbild offen sein für alle Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen. Das Institut bemüht sich um den «Abbau von gegenseitigen Vorurteilen und orientiert sich an einer gemeinsamen Zukunft der Kulturen». Um diesem hohen Ziel näherzukommen, soll mit Konferenzen oder Vorträgen für Schulen, Lehrpersonen, Kirchgemeinden, Moscheen und andere interessierte Gruppen Aufklärungsarbeit geleistet werden. Angestrebt werde nicht ein Dialog zwischen den Kulturen, sondern ein Gespräch zwischen Menschen mit verschiedenen Einstellungen: «Ich habe viel grössere Schwierigkeiten mit einem türkischen Ultranationalisten als mit einem weltoffenen Schweizer.»
Seit der Gründung des Vereins im September 2004 hat die Kerngruppe 100 Mitglieder aus der ganzen Schweiz angeworben. Waren es zunächst ausschliesslich Muslime, öffnet sich nun langsam der Kreis. Die Gönnerbeiträge und Spenden stammen nach wie vor hauptsächlich von KMUs, die von Muslimen geführt werden. «Gerade in solchen Kreisen wird eine Verhärtung des Klimas in den Schweiz beobachtet», so Terlemez. Wie Terlemez betont, richten sich die Aktivitäten des Institut nicht nur an die gebildete Schicht. «Unsere Zielgruppe ist die ganze Bevölkerung.» Um sie zu erreichen, müssten die entsprechenden Schlüsselfiguren und Ansprechpartner an der Basis gefunden und zusammengebracht werden. Diese Vorarbeit leiste er im Moment.

 

Annerkennung

"Toleranz, sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein; sie muss zur Anerkennung führen: Dulden heisst beleidigen."

J. W. Goethe

 

Minderheiten

"Jede Zivilisation ist daran zu messen, wie sie mit ihren Minderheiten umgeht."

Mahatma Gandhi 

 

Konflikte

"Man sollte nicht neue Konflikte schaffen, indem man alte Konflikte in die Gegenwart überträgt"

Fethullah Gülen

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Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog