Für eine Gemeinsame Zukunft


Institut In den Medien Muslime und Christen gemeinsam im Gotteshaus
Muslime und Christen gemeinsam im Gotteshaus
Freitag, den 07. Mai 2010 um 07:33 Uhr

Oberwil. Das Dialog-Institut und die reformierte Kirche Oberwil haben zum Austausch eingeladen

Rund 70 Muslime und ebenso viele Christen sitzen gemeinsam in der Kirche in Oberwil. Thema ist das Christentum, Ziel sind neue Bekanntschaften.

Mittwochabend in der reformierten Kirche in Oberwil: Regen trommelt gegen die Scheiben. Das Kirchenschiff füllt sich allmählich – mit teilweise ungewohnten Gästen: Frauen mit bunten Kopftüchern und Männer mit dunklen Schnurrbärten schauen gebannt zur Kanzel.

Die Organisatoren Dieter Zellweger, Pfarrer in Oberwil, und Fatih Kurdoglu, Sekretär des Instituts für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog, heissen die Muslime zum «Abend der Begegnung» willkommen. Kurdoglu zitiert aus dem Koran und appelliert an Toleranz. Das Institut will Vorurteile abbauen und Bekanntschaften zwischen den Glaubensgemeinschaften fördern.

Glocken. Für einmal haben Muslime die Gelegenheit, die christliche Religion im Gotteshaus selbst kennenzulernen. Im Talar erzählt Zellweger von den Kirchenglocken («Das, was man von uns am meisten wahrnimmt»), von christlichen Festen und dem Abendmahl. Pfarrer Christoph Herrmann geht auf die
Kirchenarchitektur ein – und merkt an, dass das Haus selten so voll sei wie heute.

Nach einer Einlage des Kirchenchors ist die Reihe an den Muslimen. Ob sie Fragen hätten, wollen die Pfarrer wissen. Etliche Hände schiessen in die Höhe. Was die Bedeutung des Abendmahls sei, möchte einer wissen, und ein anderer fragt, was es mit der Konfirmation auf sich habe.

Eine junge Frau mit Kopftuch interessiert sich für den Kirchenchor: «Müssen Mitglieder bestimmte Aufnahmekriterien erfüllen?» Die Chorleiterin beruhigt: «Nein, jeder ist bei uns willkommen.» Das Singen beschäftigt auch einen Muslim mittleren Alters: «Gehören Gesänge seit je zum Christentum – oder sind sie mehr ein kultureller Brauch?» Da kommen selbst die Pfarrer etwas in Erklärungsnot: «In der Bibel ist immer wieder die Rede davon, dass man den Herrn loben soll.» Bekannt seien zudem die Ostergesänge. Eine Frau Mitte vierzig möchte wissen, wie das Anstellungsprozedere eines Pfarrers abläuft, und ein Mann in der hintersten Reihe, wie viel ein Pfarrer verdient: «Ich habe gehört, die Löhne sollen sehr hoch sein», sagt er, und erntet Gelächter.

Unterstützung. Die Stimmung ist heiter, Christen tuscheln mit Muslimen – doch es gibt auch ernste Momente. Zum Beispiel, als eine Muslimin von ihrer Nichte erzählt, die an Leukämie gestorben ist, und davon, wie sehr die Familie die Unterstützung des Pfarrers geschätzt habe. Die Fröhlichkeit kehrt aber nach Ende des offiziellen Teils wieder zurück: Für die Besucher steht ein Buffet mit Salaten, Baklava, Brot und Börek bereit. Gemischt präsentiert sich auch die Tischordnung: Muslime und Christen sitzen nebeneinander.

Die Gespräche kommen rasch in Gang. Burcu Fekin (24) erzählt, dass sie die Kirche schon seit ihrer Schulzeit kenne. Der erste Kirchenbesuch ist es auch für Yildiz Fikri (47) nicht: «Das Basler Münster habe ich mir schon mehrmals angesehen.» Er erachtet den Dialog zwischen Christen und Muslimen als wichtig: «Man muss das andere kennen, um es verstehen zu können. Letztlich sind wir doch alle Menschen.» Auch Semri Marasli (32) ist schon oft in Kirchen gewesen. «Die Gelegenheit, Fragen zu stellen, hatte ich bis anhin aber noch nie.» Auch sei es neu für sie, im Anschluss zusammenzusitzen und zu plaudern. Und Belgin Afsaroglu bedauert, dass Christen und Muslime sich so schlecht kennen. «Deshalb brauchen wir solche Programme.»

Von Basel, Birsfelden und Weil am Rhein haben die Besucher den Weg in die Kirche Oberwil gefunden. Christen und Muslime sind sich einig: Veranstaltungen dieser Art sollte es öfter geben.

 

Vorurteile 

"Es ist schwieriger ein Vorurteil, als ein Atom zu zerstören."

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"Die Gleichgültigkeit gegenüber dem anderen ist Anfang allem übels."

Erika Weinzierl

 

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"Man sollte nicht neue Konflikte schaffen, indem man alte Konflikte in die Gegenwart überträgt"

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