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Mit dem Thema Barmherzigkeit und Liebe haben sich Angehörige verschiedener Religionen befasst. 50 Muslime und Christen haben sich im Begegnungs- und Bildungszentrum Eckstein in Baar mit dem Thema «Barmherzigkeit und Liebe in den beiden Religionen» auseinandergesetzt. Die Fokolar-Bewegung, die sich seit über 30 Jahren im interreligiösen Dialog engagiert, hat die Tagung organisiert.
Leute aus 13 Nationen
«O mein Prophet! Wir haben dich wahrlich als Barmherzigkeit für alle Welten geschickt.» Mit diesen Worten erkläre Gott den Sinn der Sendung des Propheten Muhammed im Koran, sagte Imam Ali Cetin von Baar am Meeting für Muslime vor den Teilnehmern.
Ein multikulturelles Volk hatte sich versammelt, das verschiedener nicht hätte sein können, aus allen Landesteilen und aus ursprünglich über 13 Nationen. Alle jedoch vom Wunsch beseelt, sich miteinander für mehr Geschwisterlichkeit in der Welt zu engagieren, im Respekt vor der Religion und der Kultur des andern. Ajnur Akalen vom Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog in Zürich, zeigte in ihren interessanten Ausführungen auf, dass für die Muslime «der Ursprung allen Seins in der Barmherzigkeit liege ... In seinem Anspruch, Mensch zu sein, ist jeder Mensch dazu verpflichtet, allen Lebewesen Mitgefühl zu zollen.»
«Pakt der Barmherzigkeit»
Der christliche Standpunkt zum Thema wurde durch Lucia Mantovani von der Fokolar-Bewegung erläutert. Die Charakteristiken der christlichen Nächstenliebe seien, «Gutes zu tun, solidarisch zu sein, sensibel für die Bedürfnisse, Erwartungen und berechtigten Ansprüche der Brüder und Schwestern, die Würde der andern zu achten, absichtslos und verständnisvoll zu sein, zu teilen und keinen auszuschliessen». Die Fokolar-Bewegung sei auf der Grundlage eines so genannten «Paktes der Barmherzigkeit» zu Stande gekommen. Den Schwächen und Unzulänglichkeiten jedes Einzelnen wurde eine innere Generalamnestie entgegengesetzt, die jedem gewährt wurde, eine Haltung umfassender Vergebung.
Eine Video-Collage mit Auszügen von Reden von Chiara Lubich, der kürzlich verstorbenen Gründerin der Fokolar-Bewegung, bei verschiedenen Begegnungen mit Muslimen zeigte den Teilnehmern klar auf, wie auf der Grundlage der so genannten «goldenen Regel», die in ähnlicher Weise in allen heiligen Büchern der Weltreligionen zu finden ist, das Verständnis und die Geschwisterlichkeit unter Christen und Muslimen an vielen Orten der Welt gewachsen ist: «Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.» (cf Mt 7,12) Auch Imam Samir Jelassi aus Lugano unterstrich in einem Statement seine Überzeugung, dass der Glaube an Gottes Barmherzigkeit und deren Umsetzung im täglichen Leben in der Welt ihren Weg finden wird. Erlebnisse von Christen und Muslimen erläuterten, wie Barmherzigkeit und Liebe im Alltag ganz konkret gelebt werden können. Viel Zeit war dem Austausch gewidmet.
Taner Hatipoglu, Präsident der Islamischen Organisationen in Zürich, der überraschend einige Stunden in Baar verbringen konnte, meinte und drückte dabei die Gefühle der meisten Anwesenden aus: «Dies war ein sehr kostbarer Tag. Ich habe eine starke Botschaft der Liebe erfahren, die mir eine tiefe Hoffnung gibt. Wir möchten diesen Dialog unbedingt weiterführen.»
Hanny Knüsel, Fokolar-Bewegung, Siedlung Eckstein, Baar |