Für eine Gemeinsame Zukunft


Institut
Den interreligiösen Dialog stärken
Donnerstag, den 15. Juni 2006 um 00:00 Uhr

Mit einer Stärkung des interreligiösen Dialogs möchte das Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog in Zürich das vielzitierte Modell des Zusammenpralls der Kulturen relativieren. Zu diesem Zweck hat der politisch neutrale Verein ein internationales abrahamitisches Symposium veranstaltet. Symbolischer Ausgangspunkt war die Figur Abraham, die Juden, Christen und Muslime verbindet. 

vö. Schon Jahre vor dem 11. September 2001 hatte Samuel Huntington die vielzitierte These vom Zusammenprall der Zivilisationen (clash of civilizations) aufgestellt. Die Rede vom Konflikt der islamischen und der westlichen Kultur wollen in der Schweiz aufgewachsene Muslime wie Cebrail Terlemez nicht ohne Widerspruch lassen. Der 29-Jährige, der demnächst sein Studium in Germanistik und Philosophie abschliessen wird, hat deshalb das Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog initiiert. Gegründet wurde es im September 2004 in Zürich. Organisiert ist es als politisch neutraler und gemeinnütziger Verein, der sich an einer gemeinsamen Zukunft der Kulturen orientiert und sich um den Abbau von gegenseitigen Vorurteilen bemüht.

Respekt statt Toleranz als Ziel 

Den Auftakt zu den Aktivitäten des Dialog-Instituts bildete das gut besuchte «1. Internationale Abrahamitische Symposium», das in Zusammenarbeit mit dem orientalischen Seminar der Universität Zürich und dem Zürcher Lehrhaus veranstaltet wurde. Zunächst setzte sich je ein Vertreter der jüdischen, der christlichen und der islamischen Religion mit den Grundbedingungen auseinander, die für das Entstehen eines Dialogs nötig sind. «Wir müssen uns von den übergeordneten Konzepten befreien», sagte Rabbiner Tovia Ben-Chorin aus Zürich. Die Grundlage des politischen Dialogs sei der religiöse Dialog. Religiös sei er dann, wenn man sich dem Anderen öffne, weil das Menschliche, das Subjektive interessiere. Die gemeinsame Grundlage von Judentum, Christentum und Islam sei die Anerkennung eines Schöpfers, der Schöpfung und des Menschen als eines Erschaffenen. In der Frage, wie viele Freiheiten der Mensch habe, bestünden Differenzen. Der Dialog sollte laut Ben-Chorin nicht nur vom gegenseitig  en Informationsaustausch und von Toleranz, sondern vor allem vom gegenseitigen Respekt geleitet sein.

Selbstkritik als Voraussetzung 

 

Daniel Madigan von der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom zeigte, wie die Figur Abraham in den drei monotheistischen Traditionen benutzt wurde, um «ausschliessende Taktiken» zu verbreiten. Dieser Strategie setzte Madigan eine «einschliessende Taktik» entgegen. Abraham sei in allen drei Schriften ein Freund Gottes, ein Nomade, der auf einer Reise des Vertrauens zum Pilger werde. Er sei stets auf den gleichen barmherzigen Gott für alle fokussiert gewesen. «Gott hat Abraham als Freund ausgewählt. Im Gefolge von Abraham möchten auch wir Gottes Freunde werden. Deshalb können wir untereinander Freunde sein.» Dass dieses gemeinsame religiöse Fundament die grosse Chance für den interkulturellen Dialog ist, aber gerade in kirchlichen Kreisen zu wenig wahrgenommen wird, kam während der Tagung immer wieder zur Sprache.

 

Ebenso kam zum Ausdruck, dass sich ein interreligiöser Dialog ohne Aufklärung und Selbstkritik nicht etablieren kann. Sehr eindringlich legte dies Ibrahim Özdemir, Philosophieprofessor an der theologischen Fakultät der Universität Ankara, dar. «Unwissenheit ist die Wurzel allen Übels», sagte Özdemir in Anspielung auf Sokrates. Der interreligiöse Dialog könne nur weitergeführt werden, wenn die eigene Religion kritisch betrachtet werde. Dies betreffe alle Religionen. Am Zerrbild des Islams seien die Muslime selber schuld. Nun gelte es, die Missverständnisse auszuräumen und vor allem mit Bildung den Kampf gegen Unwissenheit und Armut zu führen. Unter dem Titel «Jihad verstehen in der modernen Welt» zeigte Özdemir schliesslich die Vielschichtigkeit des moralischen Begriffs «heiliger Krieg» auf, der erst im 20. und 21. Jahrhundert territorial umgedeutet worden sei.

 

John B. Taylor, Islamwissenschafter und Vertreter der Internationalen Vereinigung für religiöse Freiheit, zog am Schluss des Symposiums trotz der stellenweise etwas unzusammenhängenden Reihe der Themen ein positives Fazit.

Das Gespräch mit Liberalen wie Radikalen innerhalb der Religionsgemeinschaften müsse gesucht werden, und es gelte das Risiko auf sich zu nehmen, mit den anderen Gemeinschaften zu sprechen. «Es gibt so viele Gemeinsamkeiten.» Dies habe ihn die Veranstaltung gelehrt.

 Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2005

 

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Institut für interkulturelle Zusammenarbeit und Dialog